Die Piraten im Rat sehen in gravierenden Fehlentscheidungen von Verwaltungsspitze, SPD, Grünen und CDU in der jüngeren Vergangenheit die Ursache dafür, dass Touristenbusse Göttingen nicht mehr anfahren und stattdessen auf andere attraktive Fachwerkstädte der Umgebung ausgewichen sind, wie unter anderem nach Hann. Münden.
Die Piraten hatten diese Entwicklung vorausgesehen und im Zuge der Groner Tor-Planung bereits Anfang 2015 ausdrücklich davor gewarnt, die Busse ohne Testphase unattraktive Warteplätze am ZOB zur Verfügung zu stellen [1].
Bis zu zehn Reise- und Fernbusse hatten zu dieser Zeit noch gleichzeitig vor dem Gebäude der Zoologie gehalten (Foto 1 unten). Bereits am 20.6.2013 wurde im Bauausschuss unter anderem von den Grünen auf das zu lösende Haltestellenproblem hingewiesen [2]. Jahrelang hätte man testen können, ob diese Busse auch am ZOB stehen können.

„Der jüngste Vorschlag der Grünen, die Touristikunternehmen an der Bürgerstraße unweit des JuZi parken zu lassen, wirkt hilflos und ratlos. Stark genutzter öffentlicher Verkehrsraum, der einmal überbaut wurde, kommt nicht zurück und ist nicht ersetzbar. Durch das starrsinnige Verweigern von Testphasen und das blinde Vertrauen in rein investorengesteuerte Stadtplanungsvorschläge der Verwaltungsspitze schließen die Grünen immer wieder die Augen vor ihrer eigenen Verantwortlichkeit für negative Entwicklungen, die sich nicht rückgängig machen lassen“, so Francisco Welter-Schultes, Vorsitzender der PIRATENundPARTEI-Ratsgruppe.

Ohne dass die Stadt prüfte, ob die Touristikunternehmen das Angebot annehmen können, wurden bereits im März 2015 die Bäume gefällt und mit dem Bau am Groner Tor der  gesamte öffentliche Verkehrsraum auf dem Grundstück verbaut – auch mit den Stimmen der Grünen [3]. Stadtbaurat Thomas Dienberg hatte mit den Worten „das ruckelt sich schon ein am ZOB“ bestehende Bedenken zerstreut und um Zustimmung zu einer sich hinterher als fatal erwiesenen Standortplanung für Touristikbusse geworben.
Bekannt war bereits seit etwa 2012, dass die Touristenbusse nur am Rand der Innenstadt parken können, nicht  beispielsweise am Schützenplatz, da die Busfahrer selbst an den  Stadtführungen teilnehmen und nicht im Bus warten können. Die beiden 2015 ausgewiesenen Stellplätze für Touristikbusse am ZOB liegen bis nachmittags im Schatten hoher Bäume und werden von pausierenden Stadtbussen genutzt (Foto 2 unten), die verständlicherweise den schattigen Platz dem Warten in der Sonne vorziehen.

Die Freiraumplanung Groner Tor sieht vor, die letzten verbliebenen hohen Bäume auch noch zu fällen und das nach wie vor bestehende Molchhabitat zu zerstören, um Platz für Zierbäumchen und weiteren Beton zu machen. Wie die Universität mit solchen undurchdachten Planungen versuchen will, Touristen von außerhalb in das Forum Wissen zu locken, ist den Piraten ein Rätsel. Denn auch viele Museumsbesucher würden mit Bussen kommen, für die es keinen attraktiv gelegenen Parkplatz gibt.

Die Piraten hatten sich im Zuge der Debatte  um das Ausmaß der Groner Tor-Bebauung 2014 vehement dafür eingesetzt, nicht das gesamte Gelände zu bebauen, weil sie voraussahen, dass  Fern- und Touristenbusse danach am ZOB nicht mehr genug Platz hätten. Verwaltung, SPD, CDU und Grüne hatten die Warnungen in den Wind  geschlagen und stehen nun vor einem von den Piraten präzise  vorausgesagten Ergebnis. Die investorengesteuerte Groner Tor-Bauplanung, die 2014 von der Stadt faktisch ohne jede Bürgerbeteiligung und ohne Einspruchsrechte möglicher Betroffener in kürzester Zeit durchgesetzt worden war, hat nachhaltig zum Verlust eines Kundensegments in der Innenstadt geführt.

Quellen

[1] Pressemitteilung Kreisverband Piratenpartei vom 17.2.2015
https://www.piratenpartei-goettingen.de/wp-content/uploads/2015/03/2015-02-17-pm-piraten-fernbusse.pdf
https://www.piratenpartei-goettingen.de/piratenplanet/testphase-fuer-fern-und-reisebusse-am-zob-12295

[2] Bauausschuss 20.6.2013
https://ratsinfo.goettingen.de/bi/to020.asp?TOLFDNR=66014

[3] Bauausschuss 19.02.2015
https://ratsinfo.goettingen.de/bi/to020.asp?TOLFDNR=81007

 

Foto 1. Anfang 2015 parkten und rangierten gleichzeitig bis zu zehn Touristenbusse und Fernbusse auf dem engen Verkehrsraum vor dem Zoologischen Institut. Zu dieser Zeit warnten die Piraten davor, die Touristenbusse ohne Testphase an den ZOB zu verlegen. Aufnahme vom 3.3.2015.

Foto 2. Für die Touristenbusse sind offiziell zwei Plätze am ZOB hinter dem Zoologischen Institut ausgewiesen, werden von Reisebusunternehmen jedoch nicht genutzt. Sie liegen auf dem ZOB als einzige im Schatten und werden gerne von pausierenden Stadtbussen genutzt, wie diese Aufnahme zeigt. Alle anderen Plätze auf dem ZOB befinden sich in der sengenden Sonne und werden von der GöVB nach Möglichkeit vermieden. Aufnahme vom 28.8.2017 gegen 15 Uhr, Temperatur im Schatten 25 Grad.
Die derzeitigen Vorschläge der Freiraumplanung Groner Tor sehen vor, die schattenspendenden Bäume auch noch zu fällen und gegen kleine Designer-Zierbäumchen zu ersetzen.

Piraten: Touristenbusmisere ist hausgemacht und war absehbar

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