Um 16:05 Uhr eröffnet Oberbürgermeister Köhler die Informationsveranstaltung zum geplanten Biowärmezentrum der Stadtwerke Göttingen. Zur Veranstaltung sind zahlreiche Zuschauer, Ratsmitglieder und Dezernenten erschienen. Auch die Presse ist vor Ort. Als Initiatoren des Projekts sind Herr Rappenecker und Herr Winter von den Stadtwerken vertreten, sowie Herr Breitfelder von Boson Energy SA. Auf dem Podium sitzen zudem einige Experten aus verschiedenen Fachgebieten, die später noch vorgestellt werden.

OB Köhler begrüßt alle zur Diskussionsrunde und möchte zunächst einige Punkte anmerken. Fernwärme sei, im Rahmen des Klimaschutzes, eine Energie mit hoher Wertigkeit. Die vorhandenen Blockheizkraftwerke der Stadtwerke näherten sich dem technischen Ende. Er erinnert daran, dass man sich als Rat der Klimaneutralität verpflichtet habe. Ein Holzhackschnitzelwerk sei eine Möglichkeit Fernwärme zu gewinnen, die Pyrolyse ein weiterer Weg der thermischen Verwertung. Er bedankt sich bei den Fraktionen, die die Veranstaltung angeregt haben, sowie bei dem Vorstand der Stadtwerke die dies „aus dem Stand“ organisiert hätten. Er selbst sei kein Fachmann, es gebe aus seiner Sicht Risiken aber auch Optionen. Es gelte die Risiken auszuschließen.

Sybille Bertram stellt sich als Moderatorin für die heutige Veranstaltung vor. Ihrem Verständnis nach steckten große Hoffnungen in dem Projekt, es gebe aber auch Skepsis und Bedenken. Es sei geplant, dass zunächst das Projekt vorgestellt werde und danach Fragen gestellt werden können.

Herr Rappenecker stellt anhand einer Beamer-Präsentation das Projekt vor. In weiten Teilen ähnelt die Präsentation, der vom 18.10.2017 hier nachlesen

Herr Rappenecker ist überzeugt von dem Projekt, dessen Intention Daseinsvorsorge und Klimaschutz sei. Außerdem sei es wirtschaftlich und ohne finanzielles Risiko. Zwei alte Blockheizkraftwerke müssten in naher Zukunft ersetzt werden. 20 Prozent der dort produzierten Fernwärme entstehe durch das Verbrennen von Biogas aus Rosdorf, der größte Teil werde aber durch Erdgas erzeugt. Das geplante Biowärmezentrum könne nicht nur die benötigte Fernwärme erzeugen sondern auch für einen guten Primärwärmefaktor sorgen. Dies sei insbesondere bei Neubauten interessant und ein Anreiz für Investoren und Bauherren.

Bevor man dieses Projekt geplant habe, habe man bereits über andere Varianten nachgedacht um die Verluste durch die aus den 90er Jahren stammenden BHKW zu kompensieren. Eine Holzhackschnitzelanlage sei eine etablierte Technik ohne Risiko. Natürlich müsse die Rendite auch stimmen, deswegen habe man dann darüber nachgedacht, wie man das noch verbessern könne, damit es sich lohne. Durch die Zusammenarbeit mit Boson habe man finanzielle Sicherheit, den man erhalte eine Miete, unabhängig vom Erfolg des Forschungsprojekts. Gleichzeitig bestehe eine Chance eine neue innovative Technik zu erforschen.

Bei der Holzvergasung werde eigentlich kein Holz verbrannt. Physikalisch gesehen verbrenne nicht das Holz, sondern das Gas, was austritt wenn man es erhitzt. Bei der Holzvergasung trenne man beide Phasen und sorge für mehr Gasentwicklung durch verschiedene Techniken. Um ein höherwertiges Gas zu erzeugen müsse man mit sehr hohen Temperaturen arbeiten, damit keine Teermoleküle verblieben, die den verarbeitenden Motoren schaden würden. Insgesamt sei dies ein völlig normaler Prozess, der einer Verbrennung entspreche, nur optimiert. Im Prinzip seien es zwei Anlagen; der Holzhackschnitzelkessel und der für die Pyrolyse. Der Pyrolyse-Kessel leite das entstandene Gas zunächst in den anderen Kessel. Später solle dies dann umgestellt werden. Finanziell tragen die Stadtwerke kein Risiko. Zum einen bekommen sie eine Miete von der Firma Boson und können zusätzlich noch das Gas nutzen. Die Anlage sei aber auch ohne Holzvergasung wirtschaftlich.

Holz sie ausreichend vorhanden, dies habe man geprüft. Der Holzpreis sei über die Jahre immer stabil geblieben im Vergleich zu anderen Rohstoffen. Der Standort Maschmühlenweg/Ecke Hildebrandstraße sei optimal und ohne Anwohnerbelastung. Es werde sich um ein sogenannte BimSch-Anlage handeln, die anfänglich kontrolliert und dauerhaft begleitet werde.

Herr Rappenecker merkt zum Schluss an, dass diese Anlage sicherlich nicht die eine Lösung sei und man das Rad nicht zurückdrehen könne. Es sei ein gewisses Fenster in Bezug auf hocheffiziente und nachhaltige Lösungen, die momentan alle Anforderungen und Ziele erfülle.

Herr Breitfelder von der Boson Energy SA stellt sein Unternehmen vor. Boson sei ein internationales Unternehmen mit ca. 30 Mitarbeitern. Man arbeite in verschiedenen Ländern etwa in England, Polen etc. und vertreibe eigene Produkte. Die Firma beschäftige sich mit Energie, Wärme, Strom und Abfallbehandlung, insbesondere mit Speicherenergie und Mikronetzen, dezentralen Netzen. Man habe sich vor allem für Deutschland als Standort für die geplante Anlage entschieden, weil man hier die herausfordensten Vorschriften erwarte. Das Verfahren nach dem Bundesimmissionenschutzgesetz (BimSchG) habe weltweit Anerkennung. Wenn man es unter den Voraussetzungen schaffe, habe man auch weltweit keine Probleme. Man arbeite mit Partner wie Siemens, SAP und Paul Wurth. Zum konkreten Projekt in Göttingen sei man gekommen, weil man ein bodenständiges Unternehmen gesucht habe ohne Abhängigkeit von Großkonzernen. Sollte das Projekt erfolgreich sein, könne man dies auch mit anderen stadteigenen Werken planen. Das Gesamtbudget von 15 Millionen Euro bringe man aus einem Drittel Eigenkapital mit, drei Millionen Fördermittel bekommen man vom Land Luxemburg. Der Rest komme von Partnern und Investoren.

Frau Bertram fährt nun weiter in der Moderation der Veranstaltung. Sie erklärt, dass es bei dieser Thematik besonders um zwei Fragen gehe: Was kommt rein und was kommt da raus? Hierzu habe man externen Sachverstand geladen.

Sie stellt die verschiedenen Experten vor:

Herr Hunold vom Gewerbeaufsichtsamt Göttingen

Herr Professor Bertram, Professor für physikalische Energie, welcher sich kritisch mit Umweltthemen auseinandersetze

Herr Auersweil, der ein BHKW in Hildesheim betreibe

Herr Levin vom Fachdienst Forst, der sich um den Stadtwald Göttingen kümmere

Herr Mederake vom BUND

Herr Professor Loewen von der HAWK, der sich dort mit dem Thema Ressourcenmanagement beschäftige und das kleine Vorgängerwerk in Schweden bereits kenne.

Frau Weitemeyer, die Pressesprecherin der Stadtwerke werde das Mikrofon an die Fragenden heranreichen.

Herr Nier (GöLinke) erklärt, er sei kein Experte, er stelle sich aber die Frage, warum solch ein Pilotprojekt mitten in der Stadt stehen soll, zumal das geplante Volumen das vierfache des Werks in Schweden haben solle. Warum gebe es nur die Möglichkeit dieses Standortes, wo doch die Frage nach den Emissionen noch gar nicht geklärt sei. Weiterhin interessiere ihn, was denn unter das Altholz falle, welches verwendete werden soll, inwieweit es es sich um behandeltes Material handele. Wer kontrolliere das?

Herr Rappenecker antwortet, der Standort sei ein optimaler Kompromiss. Zum einen liege er in einem Gewerbegebiet, sei aber doch noch nah genug um wirtschaftlich Fernwärme liefern zu können. Es sei leider so, dass je weiter die Strecke des Energietransports umso teurer wäre das Projekt. Ein Werk ganz außerhalb sei so nicht finanzierbar. Was das Holz anbelange, so stimme es, dass Anteile behandelt seien und es sich nicht nur um Paletten oder ähnliches handele. Es sollen Hölzer der Kategorie A1 und A2 verwendet werden.

Herr Hunold erklärt, bei der Definition für Altholz der Klasse A1 handele es sich um lediglich mechanisch behandelte Hölzer. Die Kategorie A2 umfasse auch verleimtes, gestrichenes, beschichtetes, lackiertes oder anderweitig behandeltes Altholz ohne halogenorganische Verbindungen in der Beschichtung und ohne Holzschutzmittel. Darunter fallen Hölzer etwa aus Inneneinrichtungen.

Herr Arnold (CDU) stellt fest, dass es sich bei dem Projekt um zwei Komponenten handele. Der Holzhackschnitzelkessel und der Pyrolyse-Kessel. Sei daran gedacht worden, entsprechend zwei Betriebserlaubnisse zu beantragen, damit nicht der Misserfolg des einen zur Gesamtschließung führe? Weiterhin erklärt er, ihm sei nicht ganz klar geworden, was nun was ersetzen solle. Soll der Biogasanteil aus Rosdorf ersetzt werden oder die anderen Anteile? Außerdem interessiere ihn, warum die Pyrolyse bislang wenig erfolgreich gewesen sei.

Herr Rappenecker erklärt, man bereite alles in einem Verfahren vor. Es sei sichergestellt, dass das beide Kesse auch alleine laufen könnte. Zunächst müsse das Biomethan ersetzt werden.

Herr Professor Bertram erklärt, bei der Pyrolyse würden mit hohen Temperaturen Kohlenwasserstoffe zerstört. Es bestehe aber auch die Gefahr einer sogenannten De-novo-Synthese, bei der sich gefährliche Stoffe herausbilden können.

Herr Professor Loewen erklärt, Pyrolyse sei ein heißes Thema. Es habe schon einige Forschungsprojekte gegeben, wobei unterschiedliche Verfahren probiert worden seien etwa mit Zugabe von Sauerstoff und schrittweiser Reduktion. Es gebe auch durchaus erfolgreiche Projekte in Österreich etwa, die allerdings nicht mehr wirtschaftlich waren. Hier gehe es nicht nur um eine Verschwelung sondern um eine Vergasung. Zu einer De-novo-Synthese könne es allerdings nur kommen, wenn es Chlor gebe und dann in einer Abkühlphase. Chlor werde hier wohl aber so gut wie gar nicht vorkommen, es sei denn man würde Holz reinschmeißen, was mit Chlor behandelt sei.

Herr Breitfelder möchte es weniger technisch vermitteln. Seine Firma gebe eine Emissionsgarantie. Man werde nicht nur die Emissionen der jetzigen gesetzlichen Vorgaben unterschreiten sondern orientiere sich bereits an den zukünftigen. Man möchte es also noch besser machen, als man es eigentliche müsste.

Herr Münch fragt bezüglich der erwähnten Vorteile für Bauherren. Wenn durch den Energiemix die Wäremedämmungsauflagen einfacher zu erfüllen sei, so sei dies nicht eher kontraproduktiv in Bezug auf das Energieeinsparungen. Weiterhin möchte er wissen, ob der Pyrolyse-Kessel keinen Strom produziere. Schließlich möchte er von Herrn Professor Loewen wissen, welche Art von Begleitforschung geplant sei, ob es um die technische Erforschung gehe oder um die Energieforschung.

Herr Rappenecker erklärt, der Ersatz im Bestand sei in der Tat wichtig. Wachsen könne Göttingen nur mit Neubauten. Man müsse auch schauen mit welchem Aufwand und mit welchen Fördermitteln die Standards beim Bauen erfüllt würden. Der Pyrolyse-Kessel könne noch keinen Strom erzeugen, da der Anbau einer Turbine bis jetzt nicht möglich sei. Dies stehe im Zusammenhang mit dem erzeugten Gas, welches erst eine gewisse Qualität erreichen müsse um dann einen Motor antreiben zu können.

Herr Professor Loewen erklärt, für die Begleitforschung gebe es bislang keinen Forschungsauftrag. Man wolle sich aber alles angucken, vor allem mit welchen Möglichkeiten nachhaltig und effizient mit Pyrolyse Energie erzeugt werden könne. Hierzu möchte man die Prozessketten betrachten, die Gasqualitäten und auch Vergleiche ziehen zu anderen Verfahren. Die genaue Begleitung sei noch nicht definiert, es sollen aber auch Studenten daran beteiligt sein. Risiken sehe er auf zwei Arten und zwar weniger bezüglich Schadstoffe, das werde man hinbekommen. Eher sehe er technisches Risiko und das von Störungen.

Herr Professor Bertram merkt an, dass sich dies ja alles gut anhöre, aber das Thema sei nicht in dem erforderlichen Maße vertieft. Er sehe da eine ganze Menge an „Pferdefüßen“ etwa hinsichtlich der Entstehung von Benzodioxinen und Benzofuranen. Die Entstehung von Feinstaub und Ultrafeinstäuben etwa und die von Nanoteilchen sei noch in der Erforschung. Die seien auch selbst dann hochgefährlich wenn sie nicht schadstoffhaltig sind.

Herr Breitfelder erklärt, bisher gebe es keine Definitionen hierzu. Man werde sich an alle gesetzlichen Vorgaben halten. Wenn es neue Grenzwerte gebe, so werde man sich auch an die halten.

Frau Schule-Rennschuh (CDU) hat mehrere Fragen. Zunächst habe man gesagt, man habe die Pyrolyse mit reingenommen, damit es wirtschaftlich laufe, an anderer Stelle habe es geheißen, wenn der Pyrolyse-Kessel rausfalle, sei dies aber nicht schlimm, man sei auch da abgesichert.

Dann würde sie gerne wissen was denn kontinuierliche Messungen der Emissionen genau bedeuteten, in welchen Zeitabständen gemessen werde. Herr Breitfelder habe eben eine Emissionsgarantie abgegeben, wie sehe dies aber in dem Fall einer Haftung aus, welche Haftungssumme könne die Firma Boson abdecken.

Beim Betrachten des Projekts habe man sich in der Fraktion gefragt, warum es sich hier um eine Pilotprojekt handele, wieso es nicht schon woanders funktioniere. Die Recherchen haben ergeben, dass es deswegen nicht funktioniere, weil man in anderen Werken die Emissionen nicht in den Griff bekommen habe, nicht die Dioxine und Furane. Es habe Störfälle gegeben von der Stunde Null an. Beim An- und Abfahren der Anlagen habe man erhebliche Schadstoffe gemessen. Auch durch Filtertechnik habe man die Stickoxide und Kohlenmonoxid nicht in den Griffe bekommen. Wie stelle man sich das nun in diesem Projekt vor, wie will man das hinbekommen? Wer komme schließlich für die Nachrüstung der Filteranlagen auf, das Gas aus der Pyrolyse komme schließlich in den Kessel der Stadtwerke.

Herr Rappenecker erklärt, man werde die Preise nicht anheben müssen, unabhängig von Erfolg oder Misserfolg der Pyrolyse. Man habe die einmalige Subvention durch Boson, somit sei das Projekt wirtschaftlich.

Herr Breitfelder antwortet, es werde permanente Messungen geben, je nach Stoff auch in Intervallen. Die Emissionsgarantie könne man geben, weil man glaube hier nicht zu versagen. Die Garantie sei auch durch den Hersteller des Kessels gegeben. Man habe sich bewusst dazu entschlossen, das Gas zunächst in den Nebenkessel weiterzuleiten auch im Risiken im Bereich der Emissionen zu minimieren. So stelle man sicher, dass die Werte eingehalten werden, egal ob man den Kessel hoch- oder runterfahre.

Frau Oldenburg (FDP) hat vier wesentliche Punkte vorzutragen. Sie bemängelt, das zu dieser Informationsveranstaltung echte Unterlagen fehlen, man könne sich lediglich auf die PowerPoint-Präsentatione beziehen. Es lägen aber z. B. Messunterlagen über das Vorgängerwerk in Schweden vor.

Bezüglich des Vorsorgeprinzip stellt sich die Frage, wie das bei dieser geplanten BimSch-Anlage aussehe mit Feinstaub und kleinen Mengen Dioxinen. Auch die Frage der Haftung sei nicht geklärt.

Bei einer Pilotanlage sei außerdem die Frage nach einer Typengenehmigung relevant.

Herr Professor Loewen erklärt, die Messunterlagen seien öffentlich im Internet hinterlegt, auf der Seite der Königlichen Technischen Hochschule in Stockholm seien die zu finden. Das sei also kein Geheimnis. Alle Dissertationen könne man dort finden, selbstverständlich aber nicht alle Planungsunterlagen für das Werk.

Herr Breitfelder fügt an, Spezialinteressen einzelner Fraktionsmitglieder könnten auf dieser Veranstaltung nicht geklärt werden. Der Kesselhersteller sei Fissmann.

Herr Professor Bertram wirft ein, solange das Verfahren unzureichend geprüft sei, befinde man sich also im Versuchsstadium. Dann sei Göttingen das Versuchskaninchen. In Bezug auf Feinstaub und Ultrafeinstaub gebe es bis zur Stunde keine Filterverfahren, alle zur Zeit verwendeten Filter seien offen wie Scheunentore.

Ein Mann aus dem Publikum merkt an, dass in dem Bereich noch ganz viel Wissen erforderlich sei. Göttingen sei die Stadt die Wissen schafft und kein Versuchskaninchen.

Herr Auerwald erklärt, seine Anlage stehe in Hildesheim auch stadtnah. Man halte die Grenzwerte ein. Von Nanofeinstäuben habe er keine Ahnung. Es habe auch in Hildesheim Probleme mit Co gegeben, deswegen werde man auch permanente Co-überwacht.

Ein Bürger aus dem Publikum möchte wissen, wie man das hohe Risiko bei dem Verfahren insbesondere beim Hochfahren des Kessels minimieren möchte.

Herr Breitfelder antwortet, man minimiere das Risiko indem man das Gas zunächst in den Nebenkessel einleiten. Die kleinere Anlage sei sehr stabil gelaufen. Es sei eine Frage der Beherrschbarkeit, habe mit Temperatur und Turbulenz zu tun. Man könne dies aber.

Der Bürger fragt nach, wie viel Erfahrung man denn habe mit Kraftwerken.

Herr Breitfelder erwidert, man arbeite zusammen mit der Firma SAP und der Firma Wurth, aus dem Hochofenbau und dem Kraftwerksbau. Die kleine Firma habe also große im Rücken.

Herr Dr. Scherer (CDU) merkt an, dies klinge alles nicht sehr vertrauenerweckend. Es habe unter anderem geheißen Messungen seien möglich, dann wieder dass permanent gemessen werde. Bezüglich Dioxinen und Furanen wann werde das gemessen? Eine falsche Charge an Holz genüge doch, dass es zu Schadstoffausstoß käme. Es habe unterschiedliche Aussagen gegeben darüber, wie häufig gemessen werde. Auch was die Haftung anbelange habe man erst die Garantie selber gegeben, dann aber auf den Kesselhersteller verwiesen.

Herr Rappenecker entgegnet, dass beispielsweise Stickoxide kontinuierliche gemessen werden, die Messung von Dioxinen und Furanen sei möglich aber keine Auflage. Man halte sie nicht für nötig, allerdings vertraue man hier auf das Gewerbeaufsichtsamt und deren Expertise.

Für Herrn Wedrins (SPD) stellen sich zwei Fragen. Erstens, ob es gelingen kann im Bereich der erneuerbaren Energie einen Schritt weiter zu kommen. Dann die Frage, ob ausreichend Holz zur Verfügung stehe. Da gingen die Meinungen bisher auseinander. Hierzu würde er gerne Herrn Levin hören.

Auch die Frage nach der Sicherheit müsse diskutiert werden. Was bedeute Störfall in einer solchen Anlage? Geht es um wirtschaftliche Folgen oder um Beeinträchtigung des technischen Ablaufs? Was kann die Bevölkerung davon mitbekommen bzw. welche Auswirkungen sind möglich und was für Sicherheitsmechanismen.

Herr Levin erklärt, es sei ausreichend Holz vorhanden. Anstelle der Verbrennung des Holzes in Kaminöfen sehe er die kontrollierte Verbrennung lieber. Das Holz müsse nicht extra aus dem Wald entnommen werden, die Menge sei ok. Wenn man sehe, das heutzutage Holz nach China per Containerschiff befördert werde, dann sei dies sicherlich nicht klimafreundlich. Die regionale Verwertung mache also Sinn.

Herr Breitenfelder erklärt, das größte Risiko sei, dass einmal die Energielieferung nicht klappen könnte, dies allerdings im schlimmsten Falle, wenn auch das Notstromaggregat nicht funktioniere. Der Kessel sei speziell für das Verfahren konzipiert und müsse das abkönnen. Von außen werde man davon nichts mitbekommen, wenn es zu Störungen komme.

Herr Schu merkt an, er wäre beruhigt, wenn nur Altholz der Kategorie A1 verbrannt würde. Wenn auch andere Hölzer, etwa Möbel verbrannt würden, sehe er das kritisch. Wie wolle man kontrollieren, dass dort keine Schadstoffe enthalten sind.

Herr Hunold erklärt, der Verwerter sei verpflichtet das zu kontrollieren.

Frau Fragel vom Klimaschutzbeirat bewertet das Thema Nahwärmenetz als prinzipiell positiv. Sie ist interessiert, ob die Anlage in Hildesheim mit Frischholz bestückt werde.

Herr Auersweiler erwidert man verwende Altholz und Holz aus der Landschaftspflege, welches als Holzhackschnitzel geliefert werde. Er merkt an, dass man in Göttingen in der komfortablen Lage sei, dass schon ein Fernwärmenetz bestehe.

Herr Professor Bertram wirft ein, die Altholzproblematik sei nur ein Problem. Das Gewebeaufsichtsamt richte sich nur nach den Vorschriften. Diese deckten sich aber nicht mit den neuesten Erkenntnissen zum Thema Feinstaub.

Frau Bertram unterbricht, dies sei eine generelle Frage.

Herr Breitfelder stimmt zu, man wolle keine Generaldebatte führen.

Herr Professor Bertram fährt fort, es gehe aber darum, was man der Bevölkerung zumute. Warum müsse die Anlage in eine dichte Besiedlung mitten in der Stadt?

Herr Rappenecker betont, man halte sich an die Vorschriften und werde sich auch an etwaige Verschärfungen derselben halten.

OB Köhler regt an, das Altholz durch Frischholz zu ersetzen.

Herr Levin antwortet, es gebe genug Holz allerdings sei eine Kaskadenverwertung von Holz wünschenswert. Wenn man den letzten Posten dann nicht verwerte landete das Holz auf einer Deponie.

OB Köhler merkt an, dass es doch aber theoretisch möglich sei.

Herr Levin erwidert, die Verwertung von Altholz sei aber ökologisch sinnvoller.

Herr Wiedemann (Grüne) erklärt, das Waldholz sei ein großes Anliegen. In vielen Orten werde schon das wertvolle Kronenholz geerntet, auch wenn der Göttinger Wald noch nicht betroffen sei. Büsche, Halbsträucher und Stangenholz seien wichtig für Vögel und Insekten. Es würde Probleme ein Problem sein, wenn man nun forcieren würde in diese Bereiche zu gehen.

Herr Levin erklärt, dies sei in Göttingen nicht der Fall, es verblieben ausreichend Nährstoffe im Wald.

Herr Mederake würde auf jeden Fall Anforderungen an die Holzqualität stellen. Naturbelassenes Holz sei sicher am besten. Wahrscheinlich sei dies jedoch auch eine wirtschaftliche Frage. Das Holz solle am besten aus einer Entfernung von ca. 30 km geliefert werden. Das dünne Holz müsse im Holz liegen bleiben, so dass dieser immer mit Altholz angereichert sei. Das sollte auch so festgeschrieben werden. Momentan sei Holz aus der Landschaftspflege reichlich da, jedoch solle es auch zu keiner Intensivierung kommen. Wichtig sei ein regionales nachhaltiges Konzept zu schaffen. Hier müsse auch der Rat genau hingucken.

Herr Rappenecker verspricht, dass nur Holz der Kategorie A1 verbrannt werden soll. Kategorie A2 sei gestrichen.

Herr Dr. Welter-Schultes weist darauf hin, dass man auch eine langfristige Entwicklung sehen müsste. Es sei zu überlegen, was passiere, wenn nun die Anlage sehr erfolgreich sei und viele von diesen Kraftwerken gebaut würden. In Bezug auf Biogas habe man das versäumt und die Politik habe bis heute keine ausreichenden Maßnahmen gegen die Vermaisung der Landschaft getroffen.

Zum anderen möchte er nochmal betonen, dass seine Ratsgruppe sehr spät von dem Vorhaben erfahren habe. Er fordert mehr Transparenz. Es müsse möglich sein, dass Aufsichtsratsmitglieder Politiker informieren dürfen über solche Pläne. Wenig Transparenz befördere das Misstrauen.

Herr Levin gibt zu bedenken, dass der Wald ganz anders geschützt sei als landwirtschaftliche Flächen. Der deutsche Wald sei nicht in der Lage unsere kompletten Energiemengen zu regeln. Für Göttingen würde er sich freuen, wenn weniger in Einzelöfen verbrannt würde und stattdessen kontrolliert in einer solchen Anlage. Natürlich gebe es Grenzen des Holzabbaus, die seien aber noch lange nicht erreicht.

Frau Morgenroth nutzt die Gelegenheit, daran zu erinnern, dass die CDU gegen den Masterplan 100 Prozent gestimmt habe.

Herr Professor Theuvsen (CDU) wirft ein, dass es nicht darum gehe jetzt.

Frau Morgenroth erwidert, das Ziel sei das entscheidende und die daraus möglichen Ableitungen in den verschiedenen Handlungsfeldern. Dies Projekt sei nun ein Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität. Man müsse sich auch einmal fragen, was denn passiere, wenn man diese Chance nicht nutze. Dann gehe es weiter mit nuklearer und fossiler Energie. Hier sei es so, wenn es mit der Pyrolyse nicht klappe, gehe dies auf Kosten der Firma Boson, die auch die Einheit wieder abbauen müsse, bei Misserfolg. Das BHKW könne man aber in jedem Fall weiter betreiben.

Frau Weitemeyer bietet an, weitere Fragen an die Stadtwerke direkt stellen zu können, bevor Frau Bertram die Infoveranstaltung beenden möchte. Es soll noch gebündelte Info über das Werk in Schweden herausgehen.

Herr Rappenecker bedankt sich bei den Experten für ihr Kommen und für das Interesse aller erschienen Gäste.

Die Informationsveranstaltung endet um 18:14 Uhr.

Protokoll der öffentlichen Informationsveranstaltung zum Biowärmezentrum der Stadtwerke am 01.11.2017

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